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Rezension

THE GRACE YEAR von Kim Liggett

Eigentlich hatte ich mir für das Jahr 2021 vorgenommen, weniger Bücher zu kaufen und mehr vom SuB zu lesen. Aber dann haben plötzlich alle auf Instagram von diesem Buch geschwärmt und es war zufällig als Mängelexemplar im Angebot, da konnte ich ja fast nicht nein sagen. Dafür war es das erste Buch seit langem, das ich direkt nach dem Kaufen gelesen habe. Und es hat sich gelohnt.

KLAPPENTEXT

In Garner County heißt es, dass junge Frauen die Macht besitzen, Ehemänner aus ihren Betten zu locken und Jungen in den Wahnsinn zu treiben. Um diese Kräfte zu verlieren, werden sie für ein Jahr in die Wildnis verbannt. Wer zurückkommt, wird verheiratet oder ins Arbeitshaus geschickt. Aber es kommen nie alle lebend zurück.

Nur in ihren Träumen ist Tierney James frei, umgeben von Rebellinnen. Doch als ihr Gnadenjahr beginnt, spürt sie erst, wie tief verwurzelt der Hass ist. Denn nicht die Natur oder die tödlichen Wilderer, die ihnen auflauern, sind die größte Gefahr. Es sind die Mädchen selbst.

Quelle: Oetinger

MEINE MEINUNG

Zunächst muss einmal gesagt werden, dass ich das ganze Konzept hinter “The Grace Year” wirklich toll fand. Es erinnert ein bisschen an “Report der Magd” von Margret Atwood – nur eben für Jugendliche.

DIE IDEE

Frauen verfügen über Magie, heißt es in diesem Buch. Mit dieser Magie vermögen sie es, die Männer ins Verderben zu stürzen, wie es schon Eva mit Adam getan hat. Deshalb müssen alle Mädchen in ihrem 17. Lebensjahr das Gnadenjahr druchlaufen.

Das bedeutet, sie werden in ein Camp weit außerhalb der Stadt gebracht und müssen dort ein Jahr lang überleben. Das klingt im ersten Moment ganz einfach, da das Camp zum Schutz umzäunt ist, aber ganz schnell wird klar, dass die Gefahr nicht nur hinter dem Zaun von den Wilderern ausgeht, die Jagd auf die Mädchen machen wollen, sondern sich auch unter den Mädchen ausbreitet.

Im Gnadenjahr sollen die Mädchen ihre Magie ausleben und loswerden, was gar nicht so einfach ist. Denn nicht jedes der Mädchen weiß, über welche Magie sie verfügt. Wenn sie überhaupt so mächtig sind, denn die Protagonistin Tierney glaubt von Anfang an nicht an diese Märchen. Sie denkt, das Gnadenjahr soll die jungen Frauen brechen und nicht ihre Magie loswerden.

BEEINFLUSST VON DER AUTORIN

Das ist tatsächlich der einzige Punkt, der mir an der ganzen Geschichte nicht so gut gefallen hat. Anstatt sich selbst Gedanken machen zu können, steuert die Autorin durch die Protagonistin die Gedanken, die einem beim Lesen kommen. Sie beeinflusst uns Leserinnen und Leser in dieser Hinsicht sehr stark. Was ich total schade fand, denn ich denke, dass wir alle dazu fähig sind, selbst feministische Überlegungen in diesem Zusammenhang anzustellen, es muss uns weder vorgekaut, noch mit dem Vorschlaghammer eingebläut werden. Und gerade das Bild mit dem Hammer hatte ich ganz oft vor Augen.

EIN RICHTIGER PAGETURNER

Abgesehen von diesen kurzen Momenten des Augenrollens fand ich das Buch aber wirklich spannend. Vor allem weil man eben doch ein kleines Bisschen miträtselt, weil ständig so viel passiert, dass man immer wieder auf den nächsten Schockmoment wartet.

Eine Liebesgeschichte gibt es auch, aber sie kommt erst relativ spät auf. Was ich toll fand, weil die Protagonistin so Raum hatte, sich selbst weiterzuentwickeln und zwar ganz ohne jemanden an ihrer Seite, der sie darin beeinflussen könnte. Die Lovestory ist nicht übertrieben dargestellt, finde ich. Ich empfinde sie eher als leicht. Zwar tiefgehend, aber nicht impulsiv oder “zu viel”.

KURZ VOR SCHLUSS

Zwischendrin ging es dann irgendwann mal sehr schnell. Weil es so spannend ist, rauschen die Seiten beim Lesen beinahe an einem vorbei, die Geschehnisse folgen so schnell aufeinander, dass ich beim Lesen kurz innehalten und mich fragen musste: Ist das gerade wirklich passiert?

Die Antwort war leider ja. Antwort worauf, möchte ich natürlich nicht verraten, denn das wäre ein Spoiler. Ich möchte nur deutlich machen, dass die Handlung kurz vor dem Ende so schnell an einem vorbeirauscht, dass zumindest ich sie fast nicht zu fassen bekommen habe. Das war dann ein bisschen schade, weil es bedeutungsvoller hätte sein können.

DAS ENDE

Dadurch erscheint einem das Ende im ersten Moment vielleicht als etwas unbefriedigend – mir ging es so. Aber eigentlich war es doch sehr passend für diese Geschichte, das kann ich mit ein paar Tagen Abstand ganz klar sagen. Für die Schrecken, die die Protagonistin durchlebt hat, ist es genau das richtig Ende – beinahe perfekt. Und damit kann ich als Leserin sehr gut leben.

FAZIT

Das Cover von “The Grace Year” ist sehr irreführend. Denn hier erwartet einen keine süße Jugendgeschichte über Feen oder andere magische Wesen – wie ich es beim Blick darauf erwartet hätte – sondern ein dystopischer Jugendroman, der überraschend blutig ist. Und genau das hat mir daran wahnsinnig gut gefallen, denn diese Geschichte hält mehr Spannung und Emotionen bereit als es auf den ersten Blick scheint. Lediglich die Vorschlaghammer-Methode der Autorin, um ihre Message rüberzubringen, fand ich beim Lesen etwas unangenehm. Der Rest überzeugte mich aber auf ganzer Linie, weshalb ich für “The Grace Year” eine klare Leseempfehlung aussprechen möchte.


THE GRACE YEAR von Kim Liggett

2020 | 416 Seiten
erhältlich als Hardcover| eBook

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