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Rezension

BRIDGERTON: Buch vs. Serie

Ich bin wie viele andere total im Bridgerton-Fieber! Es ist jetzt zwar schon einen Monat her, seit ich die Serie geschaut habe, und einen halben, seit ich as Buch beendet habe, aber die Geschichte rund um Hastings und Daphne geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe sogar vor, die Serie demnächst gleich noch einmal zu schauen. Vorher möchte ich dir aber zeigen, inwiefern sich Buch und Verfilmung voneinander unterscheiden, sich ergänzen, und was denn nun eigentlich besser ist. Spoiler Alarm: Beides hat seine Vorzüge.

Richtiger Spoiler Alarm: Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, werde ich natürlich ein bisschen auf den Inhalt eingehen müssen. Falls du die Serie also erst noch schauen und das Buch lesen möchtest, sei gewarnt, dass du hier gespoilert werden könntest.

KLAPPENTEXT DES BUCHES

Als Daphne Bridgerton ihren Namen in der Kolumne von Lady Whistledown liest, kümmert es sie nicht besonders. Aber ihre Mutter drängt sie, endlich einen Ehemann zu finden, bevor ihr Ruf in dieser Ballsaison völlig dahin ist. Daphne schließt einen Pakt mit Simon Basset, dem heiratsunwilligen Duke of Hastings: Indem er ihr den Hof macht, erscheint der umschwärmte Aristokrat vergeben. Sie dagegen rückt gesellschaftlich in den Mittelpunkt und entflieht den Kuppelversuchen ihrer Mutter. Ein prickelndes Spiel beginnt – bis Daphne erkennt, dass nur einem Mann ihr Herz gehört: Simon!

Quelle: HarperCollins

Buch und Serie im Vergleich

Zur einfacheren Orientierung habe ich die ganze “Analyse” in zwei Themen unterteilt. Einmal möchte ich auf die Charaktere eingehen und anschließend auf die teilweise unterschiedlichen Handlungsverläufe. Bevor ich dann ein Fazit ziehe, möchte ich noch einmal erwähnen, was mir bei der Serie besonders in Erinnerung geblieben ist.

CHARAKTERE

Ich denke, hier fangen wir direkt mit den offensichtlichsten Charakteren an: Daphne Bridgerton und Simon Hastings. Ich finde, dass sie sich zumindest charakterlich in Serie und Buch ziemlich ähnlich sind (zum äußerlichen gehe ich später noch ein). Aber ihre Unterhaltungen haben für mein Empfinden im Buch etwas mehr Witz. Ich habe schon ein paar Meinungen gelesen, in denen Daphnes Charakter in der Serie als eher blass und ausdruckslos bezeichnet wird. Dem hat die Buch-Daphne vielleicht ein bisschen was voraus, denn da hat sie durchaus mal eine spitze Zunge und ist insgesamt vielleicht nicht ganz so zurückhaltend. Trotzdem sind sie sich ziemlich ähnlich. In diesem Punkt geht es mir wirklich eher um die Unterhaltungen. In der Serie merkt man sehr, dass die Chemie zwischen Daphne und Hastings stimmt, aber ihre Dialoge haben mir im Buch ein kleines bisschen mehr Spaß gemacht.

Es gibt einige Charaktere, die im Buch ganz anders beschrieben sind als sie einem in der Serie erscheinen. Lady Danbury ist eine davon. In der Serie erscheint sie mir als eine eigensinnige ältere Dame, die in dieser Gesellschaft zu dieser Zeit wohl am emanzipiertesten war. Im Buch ist das zwar auch so, aber da wird sie beschrieben, als würde sich jeder vor ihrer scharfen Zunge fürchten. Außerdem kennt Hastings sie zwar, aber im Buch hat nicht sie sich um ihn gekümmert, wie es in der Serie gezeigt wird. Simon hat sie im Buch als Kind lediglich im Sommer ab und zu besucht. So ein inniges Verhältnis wie in der Serie haben die beiden nicht, was ich dann im Vergleich doch etwas schade finde, denn gerade die Beziehung zwischen den beiden fand ich in der Serie wirklich schön.

Und nun zu einem Charakter, der mir in der Serie sehr ans Herz gewachsen ist, im Buch aber kaum vorkommt. Penelope Featherington.
Und das bricht mir beinahe das Herz. Insgesamt werden die Featheringtons im Buch kaum erwähnt, der Vater ist sogar Tod, obwohl er in der Serie ja doch eine kleine wichtige Rolle spielt. Ihre schrillen und bunten Kleider werden auch einmal beschrieben, und Daphne hat Mitleid mit Penelope, weil sie immer so grausige gelbe Kleider tragen muss. Einmal tanzt Hastings sogar mit ihr, weil er sie nett findet und eben auch Mitleid mit ihr hat. Aber ansonsten wird der gesamten Familie in dem Buch kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Ich hoffe, dass sich das vor allem in Bezug auf Penelope in den nachfolgenden Bänden noch ändert.

Auch zur Familie Bridgerton gibt es einiges zu sagen. Denn während die meisten von ihnen kaum bis gar nicht vorkommen (Benedict und Eloise – das sie im Buch nur erwähnt wird, finde ich am allerschlimmsten), wird Anthony eine ähnliche Rolle wie in der Serie zugesprochen. Er ist der große Bruder, der auf Daphnes Tugend achten muss. Abgesehen davon spielt er keine besonders große Rolle. In der Serie bekommt er ja einen ganz eigenen Handlungsstrang, der wird im Buch aber nicht erwähnt. Ich vermute, dem wird erst im zweiten Band Aufmerksamkeit geschenkt.
Lady Bridgerton wird im Buch die gleiche Rolle zuteil wie in der Serie. Sie ist die Mutter, die Daphne unbedingt unter die Haube bekommen möchte. Im Buch wird das deutlich mehr auf die Spitze getrieben, dafür wirkt Lady Bridgerton aber auch nicht so einfach gestrickt wie in der Serie. Sie zeigt durchaus Intelligenz und weiß ihre Kinder in bestimmte Richtungen zu lenken.
Mein Highlight im Buch war ganz klar Collin. Er wird ganz anders als in der Serie beschrieben. Um es mit den Worten der Autorin zu sagen: “Er ist der verwegenste der Bridgertons.” Dabei musste ich beinahe lachen, denn mit diesem Satz habe ich den Collin, den ich aus der Serie kannte, so gar nicht in Einklang bringen können. Aber im Buch trifft diese Beschreibung voll und ganz zu. Er ist der verwegene, humorvolle Bridgerton-Sohn. Und derjenige, auf dessen Buch ich mich am allermeisten freue!

Zu guter Letzt möchte ich noch drei Charaktere nennen, die im Buch absolut gar nicht vorkommen. Zum einen wäre da Daphnes Rivalin der Saison. Tut mir leid, ich habe ihren Namen vergessen, vielleicht war ich zu sehr von ihren außergewöhnlichen Frisuren in der Serie abgelenkt. Jedenfalls gibt es diese Person im Buch nicht. Auch Marina kommt nicht vor, obwohl sie in der Serie so eine große Rolle spielt. Ich habe die Vermutung, dass sie erst in einem zukünftigen Band der Reihe auftaucht (wahrscheinlich Collins?), aber sicher bin ich mir nicht. Und der größte Schock war, dass die fabulöse Königin im Buch nicht zu finden war. Dabei war sie einer der besten Charaktere in der Verfilmung.

DIE HANDLUNG

Auch zur Handlung gibt es einiges zu sagen. Natürlich stimmt das Grundgerüst überein, aber einige Dinge wurden eben doch leicht verändert. So ist es zum Beispiel nicht Daphnes erste Saison und ihre Mutter macht sich allmählich wirklich Sorgen, sie überhaupt noch verheiraten zu können. Da die Königin im Buch nicht vorkommt, ist Daphne auch nicht das Juwel der Saison. Und ehrlich gesagt fand ich durch diesen Umstand die gesamte Storyline nachvollziehbarer. Also wieso sie Hastings braucht, um das Interesse anderer Junggesellen zu wecken. Denn das fand ich in der Serie tatsächlich nicht 100% nachvollziehbar, weil sie als Juwel der Saison galt (was nicht bedeutet, dass ich die Serie dadurch weniger geliebt hätte).

Im Buch gibt es eine Szene, von der ich es wirklich schade finde, dass sie in der Serie nicht vorkam. Die Bridgertons unternehmen einen Ausflug mit der Yacht und irgendwie kommt es beim Betreten des Schiffs zu einer kleinen Rangelei, sodass Simon und Anthony im Wasser landen. Beide sind natürlich nicht besonders glücklich darüber, liegen sowieso im Klinsch wegen Daphne und geben sich an dem Unfall gegenseitig die Schuld. Die Szene fand ich so unterhaltsam, dass ich sie gerne auch in der Serie gesehen hätte.

Die wichtigste Szene kommt natürlich auch im Buch vor. Die Kuss-Szene. Und holla, sie ist genauso prickelnd wie in der Serie. Nein, stimmt nicht: sie ist sogar noch heißer. Denn während in der Serie Daphne und Hastings nur küssend übereinander herfallen, steht sie im Buch am Ende sogar oben ohne dar. Genau in dem Moment, in dem Anthony auftaucht. Ja, irgendwie ziemlich peinlich. Ob es gut oder weniger gut ist, dass das in der Serie abgemildert wurde, kann jeder für sich selbst entscheiden.

Aber die Szene ist nicht die einzige, die in der Verfilmung abgemildert wurde. Auch die Szene, die auf Instagram für viele Diskussionen gesorgt hat, ist im Buh weitaus schlimmer.
Damit du weißt, worum es geht: Als Daphne und Simon einmal miteinander schlafen verhindert sie, dass er sich vor dem Kommen zurückzieht, wie er es sonst tut. Sie möchte unbedingt schwanger werden, er will auf keinen Fall Kinder. Die Kritik an dieser Szene ist berechtigt und ich will hier auch keine Diskussion entfachen (man sollte nur bedenken, dass es sich hierbei um einen historischen Roman handelt, und da geht es häufig weitaus schlimmer zu), ich möchte nur zeigen, dass die Serienmacher sich bei dieser Szene etwas gedacht haben.
Denn im Buch ist sie deutlich schlimmer. Simon und Daphne haben einen schlimmen Streit und er betrinkt sich. Als er noch halb schläft, verführt Daphne ihn. Als es dann zum Sex kommt, ist er noch vom Alkohol und Schlaf total benebelt und merkt nicht einmal richtig, was Daphne da tut.
Du siehst also, es geht schlimmer. Und ich bin wirklich froh, dass man sich bei der Verfilmung dazu entschieden hat, diese Szene zu ändern. Streichen hätte man sie nicht können, weil die Handlung dann ein großes Loch gehabt hätte, aber das ist ja wenigstens etwas.

BESONDERE SCHMANKERL

Wie ich am Anfang des Beitrags erwähnt habe, möchte ich jetzt noch kurz beschreiben, was ich an der Serie wirklich toll finde. Zum einen ist es die Diversität. In der Serie spielen viele schwarze Darsteller und Darstellerinnen mit. Im ersten Moment hat mich das total verwundert, weil ich das von historischen Filmen so nicht gewohnt bin. Da kommen schwarze Menschen zwar vor, aber nicht als Lords und Ladys. Das ist aber wahrscheinlich der Grund, wieso in der Serie eine Königin vorkommt. Denn sie ist der Grund für die Diversität unter den Lords und Ladys. Weil der König sich in eine schwarze Frau verliebt hat, haben auch andere Schwarze in die Gesellschaft der Adeligen Einzug erhalten. Und das ist sowas von grandios. Ich feiere die Serie allein dafür total ab!

Ein weiterer Punkt, den ich an der Serie geliebt habe, ist die Musik. Der Soundtrack an sich ist schon wirklich toll, aber vor allem die Lieder auf dem Ball sind großartig. Es sind nämlich aktuelle Popsongs, die in Klassik neu interpretiert wurden. Das hat so gut gepasst und die Songs machen so viel Spaß, dass ich sie auch so rauf und runter höre. Ich bin sehr gespannt, welche Lieder in klassikform wir in der zweiten Staffel zu hören bekommen.

FAZIT

Abschließend fällt es mir schwer zu sagen, was mir besser gefallen hat – ob Buch oder Serie. Ich mochte beides und werde definitiv weiter lesen und schauen. Aber ich glaube wegen der tollen Atmosphäre mit Musik und Setting hat die Serie einen kleinen Vorsprung. Ich bin jedenfalls total in love mit den Bridgertons und will unbedingt mehr.


BRIDGERTON – DER DUKE UND ICH von Julia Quinn

2021, Erstausgabe: 2000 | 400 Seiten
erhältlich als Taschenbuch | eBook

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