Oben
Rezension

MORGENGRAUEN von Philippe Djian

Werbung. Nachdem vom letzten Buch von Philippe Djian so viele begeisterte Stimmen zu vernehmen waren, wollte ich auch endlich mal etwas von dem Autoren lesen. Da kam mir die Erscheinung von “Morgengrauen” gerade recht, denn der Klappentext klang sehr vielversprechend. Ein paar Startschwierigkeiten hatte ich dann aber doch.

KLAPPENTEXT

Joan lebt schon lange nicht mehr zu Hause, doch als die Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen, zieht sie zurück zu ihrem Bruder Marlon. Nun müssen sie sich gegenseitig Familie sein – sie, die sich kaum kennen. Marlon ahnt nicht, was seine Schwester nach Ladenschluss noch in ihrer Boutique tut – und Joan hat auch nicht vor, es ihm zu verraten. Gut, dass sie den Sheriff des Ortes auf ihrer Seite hat, denn ihre Kunden können gefährlich sein, auch für Marlon.

Quelle: Diogenes

MEINE MEINUNG

ALLER ANFANG IST SCHWER

Auf den ersten Seiten von “Morgengrauen” habe ich nicht so richtig in die Geschichte gefunden. Das hat sich auch erst mal nicht geändert. Ich fand den Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig, weil das komplette Buch in indirekter Rede geschrieben ist (wobei das auch nicht ganz stimmt). Das hat so eine Distanz zwischen mir als Leser und der Geschichte geschaffen, dass mir auch die Charaktere sehr fern geblieben sind. Ich habe keinen Zugang zu ihnen gefunden.

Man muss dazu sagen, dass sich das Ganze weniger thrillermäßig gestaltet, als es im Klappentext klingt. Joan zieht in ihr Elternhaus zurück, um sich um ihren autistischen Bruder zu kümmern. Beide sind keine Kinder mehr, trotzdem kennen sie sich kaum und das Zusammenleben gestaltet sich von Anfang an als schwierig. Man könnte meinen, dass das Buch hier vor Emotionen übersprudelt, vor Trauer, Angst, dem Gefühl der Überforderung. Aber tatsächlich passiert alles unterschwellig, eher zwischen den Zeilen als direkt vor dem inneren Auge. Joan ist keine besonders emotionale Person, sie ist rational, was möglicherweise mit der schlechten Beziehung zu ihren Eltern und ihrem Beruf zusammenhängt.

UND PLÖTZLICH …

Also wie gesagt war ich anfangs nicht besonders angetan von dem Schreibstil und den ersten Zügen der Geschichte. Ich habe mich eher zum Weiterlesen gezwungen, weil ich auf ein anderes Buch gewartet habe und “Morgengrauen” ein Rezensionsexemplar ist. Ich musste es lesen, also habe ich das getan. Und plötzlich hat mich die Geschichte total in ihren Bann gezogen. Ich kann echt nicht sagen, woran es liegt. Ob an dem Geschriebenen zwischen den Zeilen, das mein Unterbewusstsein so viel besser verstanden hat, oder an den Intrigen, die sich immer mehr im Hintergrund gesponnen haben.

Ich hatte wieder viel Spaß am Lesen. Nicht mal unbedingt an dem Buch selbst, sondern am Lesen an sich. Da hat die Haptik der Diogenes-Bücher mit Sicherheit ihren Teil dazu beigetragen, denn wir alle lieben doch diese kleinformatigen Leinenbücher.

SCHON VORBEI?

Ich war also verzaubert. Vollkommen. Vom Lesen und irgendwie auch von der Geschichte, die mir selbst jetzt noch fern und surreal erscheint und doch in Erinnerung geblieben ist. Ich war verzaubert und dann war das Buch plötzlich vorbei. Wortwörtlich mit einem peng, total überraschend. Ich habe weiter geblättert, weil ich dachte, dass da noch was kommen muss, weil ich weiterlesen wollte. Aber nein, nicht einmal eine Danksagung folgte.

Dieses seltsame Buch, das mich in seinen Bann gezogen hat, ohne überhaupt etwas getan zu haben, war einfach zu Ende.

FAZIT

Ich vermute, meine Rezension klingt genauso wirr, wie es meine Emotionen bezüglich “Morgengrauen” sind. Denn ich kann nicht sagen, dass es mir gefallen hat. Ich kann aber auch nicht sagen, dass ich es schlecht fand. Es war wie ein Rausch. Ich bin in Joans und Marlons Geschichte eingetaucht und ganz überraschend wieder aufgetaucht – oder eher wieder ausgespuckt worden. Ich kann noch nicht sagen, ob mir dieses Buch in Erinnerung bleiben wird, aber mit Sicherheit bleibt mir das Gefühl der Freude am Lesen in Erinnerung, das es in mir geweckt hat – was schon lange kein Buch mehr so geschafft hat.


MORGENGRAUEN von Philippe Djian

2020 | 240 Seiten
erhältlich als Hardcover | eBook

«

»

Was mache ich jetzt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter

IMMER ALLES MITBEKOMMEN!
Erhalte eine Email bei neuen Beiträgen.


Kateastrophy sammelt deine eigegebenen Daten, um mit dir in Kontakt zu bleiben und dir Newsletter schicken zu können.

Instagram hat keinen Statuscode 200 zurückgegeben.