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Rezension

DAS GEGENTEIL VON EINSAMKEIT von Marina Keegan

 

Meine Meinung

Warum ich ausgerechnet zu diesem Buch gegriffen habe, weiß ich gar nicht mehr so genau. Es kam mir plötzlich in den Sinn, und obwohl ich für Kurzgeschichten nicht viel übrighabe, haben mich die reißerischen Aussagen wie „Ein literarisches Ausnahmetalent“ auf dem Cover neugierig gemacht.

Wer ist diese Marina Keegan, die so sehr gefeiert wird? Das besonders tragische dabei ist, dass Marina Keegan nicht mehr lebt. Sie war Yale-Absolventin und verstarb am Tag nach ihrer Abschlussfeier bei einem Autounfall. Sie hatte gerade eine Zusage der New York Times, sie hatte ihr Leben noch vor sich.

 

Marina Keegan

Ich war neugierig auf die Texte eines Mädchens, das als Ausnahmetalent gefeiert wird, das den Erfolg seiner Texte nicht mehr miterleben konnte. Im Vorwort, das von einer Dozentin Keegans stammt, wird klar, dass nicht nur eine talentierte Autorin vermisst wird, sondern auch ein außergewöhnliches Mädchen. Denn in eben diesem Vorwort wird von Marina Keegan erzählt. Wie sie war, wie sie mit Menschen umgegangen ist, welche Selbstzweifel sie plagten, dass nicht immer alles Sonnenschein war, aber dass sie eine besondere junge Frau war.

 

Diese Sprachgewalt

Beim Lesen der Kurzgeschichten und Essays ist mir eines sehr schnell klar geworden: Keegan schafft es, die Gefühle und Gedanken von Menschen auf eine ganz unvergleichliche Art zu beschreiben. Und zwar unfassbar intensiv, sodass mir beim Lesen mehrmals das Herz zugeschnürt vorkam. Es gibt viele Autoren, die Emotionen sehr gut transportieren, aber ich habe es selten, dass mich das Geschehen eines Buches oder einer Geschichte sogar innerlich so sehr erschüttert.

Auch sprachlich ist jede einzelne Kurzgeschichte so schön. Sie sind zwar alle unterschiedlich, aber man bemerkt dennoch Keegans ganz eigenen Stil. Es ist ihre Art zu erzählen, die dieses Buch so einmalig macht, die ihre Geschichten so intensiv macht, die einfach Lust auf mehr macht.

 

Meine liebsten Texte

Natürlich haben mir nicht all ihre Kurzgeschichten und Essays gleichermaßen gefallen, die besten haben es dafür umso mehr in sich. „Kalte Idylle“ zum Beispiel hat mir so gut gefallen, weil es um ganz natürliche Probleme geht. Das Szenario einer Beziehung, in der es kriselt, ist so real, etwas fast alltägliches. Und doch beschreibt Keegan das ganze so intensiv, dass es einen als Leser einfach mitnimmt. Genauso verhält es sich mit der Kurzgeschichte „Vorlesen“ oder „Challengertief“, in dem es um die Insassen eines untergegangenen Uboots geht, für das es keine Rettung mehr gibt. Ich glaube letztere fand ich tatsächlich am ergreifendsten.

Aber auch die Essays haben mir gut gefallen. Sie sind weniger spannend, weniger erzählerisch, aber dafür umso informativer. Und Keegan ist es dabei gelungen, die Texte so zu schreiben, dass man sie nicht einfach weglegt, obwohl sie in gewisser Weise eher Richtung Sachtext gehen. „Warum wir uns um Wale kümmern“ fand ich zum Beispiel sprachlich einfach großartig zu lesen. Und „Sogar Artischocken haben Zweifel“ behandelt eigentlich ein eher trockenes Thema, das ich dennoch unfassbar interessant fand.

 

Fazit

Egal ob Kurzgeschichten-Fan oder nicht, dieses Buch kann jedem gefallen. Vor allem die Intensität der Emotionen und die sprachliche Kunst – anders kann man es nicht nennen – nehmen einen hier so sehr ein, dass man die Stories am liebsten in einem Stück inhalieren würde. „Das Gegenteil von Einsamkeit“ ist ein Meisterwerk und die einzelnen Kurzgeschichten werden mir noch sehr lange im Kopf hängenbleiben.

 

 

 

DAS GEGENTEIL VON EINSAMKEIT von Marina Keegan

Fischer | 2016 | 288 Seiten

erhältlich als Taschenbibliothek | Taschenbuch | eBook

 

 

 

 

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Meinungen anderer Leser

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4 COMMENTS
  • Petra
    1 Jahr %1$s %2$s vor %3$s (%4$s)

    Huhu Kate,
    oh wie schön, dass dir, das Buch so gut gefallen hat. Ich habe es schon gefühlt ewig auf meiner Wunschliste stehen und nach deiner Rezension habe ich es direkt mal ein Stück nach oben verschoben. Es klingt wirklich toll!
    Liebe Grüße, Petra

    • Kate
      1 Jahr %1$s %2$s vor %3$s (%4$s)
      Autor

      Hallöchen,
      ja, ich fand es wirklich großartig! So viele Emotionen in so wenig Text finde ich einfach nur erstaunlich. Hoffentlich wird es bald von deiner Wunschliste erlöst 🙂
      Liebste Grüße

  • Lara
    5 Monaten %1$s %2$s vor %3$s (%4$s)

    Oh toll, dass es dir auch so gut gefallen hat und danke für deine Verlinkung! 🙂

    • Kate
      5 Monaten %1$s %2$s vor %3$s (%4$s)
      Autor

      Genre! Ich fand es wirklich großartig.

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  • Lest ihr gerne Fantasy?
Also dafür, dass ich es so liebe und ganz oft selbst schreibe, lese ich mittlerweile tatsächlich eher weniger in dem Genre. Ich muss für Fantasy irgendwie in Stimmung sein. In den meisten Fällen lässt man sich ja auf eine größere Welt und Geschichte ein.
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Was sind eure Lieblingsfantasybücher?
  • Anzeige. Mein liebster Leseort ist auf Balkonien 😍 mit einem guten Buch und einem Drink in der Sonne zu sitzen, ist für mich das allerschönste. Auch wenn mir oft viel zu heiß ist, weil ich Sonnenanbeterin mich weigere die Markise auszufahren 😂
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Lest ihr gerne draußen?
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Auf dem Bild seht ihr „Wir sind der Sturm“ von Sophie Bichon. Nachdem der erste Band mit so einem fiesen Cliffhanger geendet hat, muss ich bald den zweiten lesen.
  • Habt ihr schon mal was von Celeste Ng gelesen?
Kann ich euch nur empfehlen, denn ihre Schreibe ist der absolute Wahnsinn! Sie schafft ihren Charakteren so enorm viel Tiefe, wie ich es bisher nich nie erlebt habe. Und all ihre Abgründe, die sich nach und nach auftun, ihre Verbindungen, die sich entschlüsseln lassen. Was Ng mit ihren Charakteren schafft, ist unglaublich! Da ist sie für mich ein großes Vorbild. 
Auf dem Bild seht ihr „Was ich euch nicht erzählte“, das ich im April gelesen habe. „Kleine Feuer überall“ fand ich aber sogar noch besser. Dazu gibt es jetzt eine Amazon-Serie, die ich mir unbedingt demnächst anschauen muss 😍
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Welche Charaktere in welchem Buch haben euch zuletzt so richtig begeistert?
  • Uff, was für eine Nacht!
Ich habe total viel unterschiedlichen Mist geträumt (ich musste unter anderem zum Zahnarzt) und dann auch noch so verschlafen, dass ich zwar noch pünktlich zur Arbeit komme, aber mir keinen Kaffee mehr machen konnte. Dabei hätte ich ihn so dringend gebraucht 😅
Mein Montag macht seinem Namen bisher also alle Ehre. Aber ich muss heute nur den halben Tag arbeiten und will danach lesen und schreiben 😊 und Bilder für Insta machen. Und eventuell joggen, falls es trocken bleibt.
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Was habt ihr heute vor?
  • Anzeige. Was soll ich zu diesem Finalband nur sagen? Ich bin wirklich sehr Zwiegespalten, denn die Reihe habe ich sehr geliebt. Der erste Band war noch so lala, aber dann wurde es mit jedem Band besser und spannender. Es wurde sogar so spannend, dass ich ein wirklich episches Finale erwartet habe. Aber so episch war es dann leider gar nicht. In der Rezension auf meinem Blog bin ich ein bisschen ausführlicher geworden, da könnt ihr gerne vorbeischauen 😊
  • Vor ein paar Tagen habe ich in meiner Story noch gesagt, dass mich das Buch gar nicht so sehr packt und jetzt bin ich voll drin. Ich bin momentan auf Seite 191 von 576, es könnte also eigentlich schneller vorangehen, aber da ich gerade eine miese Leseflaute mit mir rumschleppe ist das doch eigentlich ganz gut 😊
Aber jetzt mal zum Buch: Wieso ist es so packend? Ich kann es gar nicht sagen. Ich mag diesen lockeren episodenhaften Schreibstil. Er ist keine Meisterleistung, da geht mehr, aber er ist genau richtig für diese Story und genau richtig zum "einfach weglesen". Gleichzeitig sind die Charaktere total interessant. Sie bleiben bisher noch eher oberflächlich, aber ich hoffe, das gibt sich noch. Was mir auch total gut gefällt: Das Buch verläuft anders als der Film. Also mit dem Film hat man sich schon nahe an der Handlung gehalten, aber so ein paar Kleinigkeiten sind im Buch eigentlich anders und genau die machen es total interessant. Collin Khoo, zu dessen Hochzeit Rachel und Nicholas nach Singapur reisen, hat mehr Tiefe und seine ganz eigenen Probleme. Die tauchen im Film zum Beispiel gar nicht auf.
Einen klitzekleinen Kritikpunkt habe ich. Aber der ist eigentlich gar nicht an der Story selbst, sondern an der Anzahl der Charaktere. Ich komme einfach nicht mit! Wer ist wer?!
Nick meinte einmal: "Für Außenstehende ist sein Stammbaum schwer zu verstehen." Also wenn das mal nicht die Untertreibung des Jahrtausends ist!
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Klappentext: Rachel ist überglücklich: Ihr Freund Nick möchte sie endlich seiner Familie in Singapur vorstellen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft in Asiens schillerndster Stadt wird Rachel klar, dass Nick aus der obersten Schicht der Superreichen stammt, einem geschlossenen Kreis, der unermessliche Reichtümer besitzt. Plötzlich sieht sie sich konfrontiert mit schrillen Verwandten, glamourösen Nebenbuhlerinnen und Privatjets mit ayurvedischen Yogastudios. Welchen Wert hat Liebe in dieser maßlosen Welt?
  • „Die Nickel Boys“ ist mein bisher einziges beendetes Buch im Mai (eine Woche hab ich ja noch, um die Zahl zu erhöhen 🤓), und leider fand ich es eher so lala.
Es geht um eine Besserungsanstalt und spielt so ca. in den 60ern (ich hoffe, ich vertue mich da gerade nicht komplett) und Rassentrennung ist noch ein ganz großes Thema. 
Der Protagonist ist eigentlich ein braver Schüler, ist sogar so weit, dass er während der Highschool schon Collegeseminare belegen kann. Dann kommt es, wie es so oft passiert: er ist zur falschen Zeit am falschen Ort und wird verurteilt. Im Nickel, der Besserungsanstalt, läuft das Leben ganz anders. Die Weißen und Schwarzen werden getrennt untergebracht, die Weißen kriegen „gute“ Anstaltskleidung, die Schwarzen alte und abgenutzte. Im Nickel muss man nicht unbedingt etwas anstellen, um bestraft zu werden. Das geschieht mit Willkür und wie ihr euch denken könnt, ist viel Gewalt im Spiel.
Die Begebenheiten beruhen teilweise auf wahren Geschichten von ehemaligen Insassen solcher Anstalten, was das ganze Buch noch erschreckender macht. Trotzdem hat es mich leider nicht so sehr gepackt. Es war heftig, ging mir aber nicht so nahe. Die Intensität des Textes hat mir irgendwie gefehlt. Eine ausführliche Rezension auf dem Blog kommt noch 😊
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Welche Bücher habt ihr diesen Monat schon gelesen?
  • Eigentlich lese ich ja keine Manga. Aber von dem hier haben alle so geschwärmt und dann war die liebe @ninismangatraeume so nett, ihn mir zu schenken. Danke nochmal ♥️
Jedenfalls habe ich ihn gelesen (eigentlich sogar schon letztes Jahr) und endlich meine Rezension dazu verfasst. Ihr findet sie zusammen mit zwei anderen Rezensionen in meinem neuesten Blogbeitrag. Der Link ist wie immer im Profil 😊
Es ist nur eine Kurzrezension, aber ich versuche das hier mal noch kürzer zu fassen:
Ich mag den Zeichenstil und die Geschichte unheimlich gerne. Sie ist so entzückend und einzigartig. Aber mit Manga werde ich wohl einfach nicht mehr warm. Mir fehlen da die Gefühle, die dringen irgendwie einfach nicht so richtig zu mir durch, wie es bei einem normalen Buch der Fall wäre.
Deshalb kriegt der Manga ganz klar eine Empfehlung von mir, weil er so besonders ist. Aber als Buch hätte er mir wahrscheinlich besser gefallen 😂
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Lest ihr Manga?