Oben
Rezension

Ein Buch, das wehtut: SCHAM von Inès Bayard

Anzeige. Als ich dieses Buch in der Vorschau gesehen habe, wusste ich, dass es heftig wird. Spätestens nach dem ersten Kapitel wurde mir klar wie heftig. Aber irgendwie war ich trotzdem nicht darauf vorbereitet, was das restliche Buch mit mir anstellen würde. Wie krass es wirklich werden würde und welche Gedanken mir durch den Kopf gehen würden. „Scham“ ist definitiv keine leichte Kost, ob man es liest, sollte man sich vorher wirklich gut überlegen.

KLAPPENTEXT

Maries Leben ist perfekt. Sie ist jung und erfolgreich, ihr Mann ist Anwalt, jetzt wollen die beiden ein Kind. Da passiert das Unfassbare. Marie wird von ihrem Chef auf dem Heimweg brutal vergewaltigt. Und er setzt sie so unter Druck, dass sie niemandem, nicht einmal ihrem Mann, davon erzählt. Die junge französische Autorin Inès Bayard lässt in ihrem eindrucksvollen Debütroman keinen Zweifel: an dem, was geschehen ist, und daran, dass Marie keine Schuld trifft. Und doch müssen wir zusehen, wie Marie der Moment, in dem sie noch Hilfe suchen könnte, entgleitet, wie sie vom Opfer zur Täterin wird … 

Quelle: Hanser

MEINE MEINUNG

Marie denkt sich gar nichts dabei, als ihr Fahrrad gestohlen wird und ihr neuer Chef anbietet, sie nachhause zu fahren. Das Unglück beginnt, als dieser sie nicht einfach aus dem Auto steigen lassen will und über sie herfällt. Sie kann sich kaum wehren, ist so unter Schock, dass sie auch nicht nach Hilfe ruft. An dieser Stelle möchte ich noch einmal eine Warnung aussprechen, denn Maries Vergewaltigung wird beschrieben und das sehr detailliert. Da wird einem beim Lesen ganz anders.

Als es vorbei ist, ist es eben nicht vorbei. Maries ganzes zukünftiges Leben wird von diesem einen Abend bestimmt. Sie traut sich nicht, sich jemandem anzuvertrauen, macht sich selbst etwas damit vor, einfach wie vorher weitermachen zu können. Sich normal zu verhalten, ihren Mann noch genauso wahrzunehmen wie vorher, einfach an der Familienplanung weiterarbeiten zu können. Aber es ist nicht so einfach. Der Missbrauch schwebt immer über ihr und damit auch über mir als Leserin.

„Scham“ ist sehr kühl geschrieben, was aber vielleicht ganz gut ist, um zumindest ein bisschen Abstand zum Geschehen zu gewinnen. Ganz oft beim Lesen hat sich mir die Brust zugeschnürt wegen all der Geschehnisse, wegen Maries Gedanken und Gefühlen, die man trotz des kühlen Schreibstils so gut nachempfinden konnte. Noch viel öfter habe ich Marie gedanklich angebettelt, sich jemandem anzuvertrauen, sich Hilfe zu suchen.

FAZIT

Mir fällt es wahnsinnig schwer, „Scham“ zu empfehlen. An sich ist es ein gutes Buch, stilistisch sehr gut ausgearbeitet, aber das Thema ist einfach so hart und schlimm. Deshalb kann ich gar nicht sagen, dass ich das Buch gern gelesen habe, weil es vor allem sehr schmerzhaft war.

QUINTESSENZ

„Scham“ hat mich auf diese neue Unterkategorie des Fazits gebracht. Denn nach dem Lesen habe ich mich ganz lange gefragt: Was hat mir dieses Buch gegeben? Warum sollte man es lesen? Denn von Unterhaltung kann man hier kaum sprechen, weil das Lesen eben so wehtut, weil es kein Vergnügen ist. Aber wieso so ein Buch dann lesen? Weil es auch im wahren Leben nicht immer ein Happy End gibt? Weil nicht immer alles Sonnenschein ist? Auf jeden Fall, weil „Scham“ die dunklen Seiten des Lebens zeigt und was ein schlimmes Ereignis mit einem anstellen kann. Und wie sehr es auch das Umfeld betreffen kann, wie anders man selbst sein Umfeld nach einer Vergewaltigung wahrnimmt (im Sinne von Maries Gedanken: Wieso merkt ihr keiner an, was mit ihr passiert ist?). Was mir das Buch aber auf jeden Fall mitgegeben hat: Man muss nicht alleine kämpfen.


SCHAM von Inès Bayard

2020 | 224 Seiten
erhältlich als Hardcover | eBook

«

»

2 COMMENTS
  • Zeilentänzerin
    2 Monaten %1$s %2$s vor %3$s (%4$s)

    “Scham” steht auch noch auf meiner Liste und ich bin schon sehr gespannt! Ich habe deine Rezension aber noch nicht intensiv gelesen, um nicht vorweg zuviel zu wissen. Freut mich aber, dass du das Buch thematisiert hast.

    • Kate
      2 Monaten %1$s %2$s vor %3$s (%4$s)
      Autor

      Oh wie schön, unser Leseverhalten ähnelt sich momentan ja sehr 🙂 Das Buch tut echt sehr weh, aber ich wünsche dir trotzdem viel Spaß beim Lesen.

Was mache ich jetzt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter

IMMER ALLES MITBEKOMMEN!
Erhalte eine Email bei neuen Beiträgen.


Kateastrophy sammelt deine eigegebenen Daten, um mit dir in Kontakt zu bleiben und dir Newsletter schicken zu können.

  • Habt ihr schon mal was von Celeste Ng gelesen?
Kann ich euch nur empfehlen, denn ihre Schreibe ist der absolute Wahnsinn! Sie schafft ihren Charakteren so enorm viel Tiefe, wie ich es bisher nich nie erlebt habe. Und all ihre Abgründe, die sich nach und nach auftun, ihre Verbindungen, die sich entschlüsseln lassen. Was Ng mit ihren Charakteren schafft, ist unglaublich! Da ist sie für mich ein großes Vorbild. 
Auf dem Bild seht ihr „Was ich euch nicht erzählte“, das ich im April gelesen habe. „Kleine Feuer überall“ fand ich aber sogar noch besser. Dazu gibt es jetzt eine Amazon-Serie, die ich mir unbedingt demnächst anschauen muss 😍
.
Welche Charaktere in welchem Buch haben euch zuletzt so richtig begeistert?
  • Uff, was für eine Nacht!
Ich habe total viel unterschiedlichen Mist geträumt (ich musste unter anderem zum Zahnarzt) und dann auch noch so verschlafen, dass ich zwar noch pünktlich zur Arbeit komme, aber mir keinen Kaffee mehr machen konnte. Dabei hätte ich ihn so dringend gebraucht 😅
Mein Montag macht seinem Namen bisher also alle Ehre. Aber ich muss heute nur den halben Tag arbeiten und will danach lesen und schreiben 😊 und Bilder für Insta machen. Und eventuell joggen, falls es trocken bleibt.
.
Was habt ihr heute vor?
  • Anzeige. Was soll ich zu diesem Finalband nur sagen? Ich bin wirklich sehr Zwiegespalten, denn die Reihe habe ich sehr geliebt. Der erste Band war noch so lala, aber dann wurde es mit jedem Band besser und spannender. Es wurde sogar so spannend, dass ich ein wirklich episches Finale erwartet habe. Aber so episch war es dann leider gar nicht. In der Rezension auf meinem Blog bin ich ein bisschen ausführlicher geworden, da könnt ihr gerne vorbeischauen 😊
  • Vor ein paar Tagen habe ich in meiner Story noch gesagt, dass mich das Buch gar nicht so sehr packt und jetzt bin ich voll drin. Ich bin momentan auf Seite 191 von 576, es könnte also eigentlich schneller vorangehen, aber da ich gerade eine miese Leseflaute mit mir rumschleppe ist das doch eigentlich ganz gut 😊
Aber jetzt mal zum Buch: Wieso ist es so packend? Ich kann es gar nicht sagen. Ich mag diesen lockeren episodenhaften Schreibstil. Er ist keine Meisterleistung, da geht mehr, aber er ist genau richtig für diese Story und genau richtig zum "einfach weglesen". Gleichzeitig sind die Charaktere total interessant. Sie bleiben bisher noch eher oberflächlich, aber ich hoffe, das gibt sich noch. Was mir auch total gut gefällt: Das Buch verläuft anders als der Film. Also mit dem Film hat man sich schon nahe an der Handlung gehalten, aber so ein paar Kleinigkeiten sind im Buch eigentlich anders und genau die machen es total interessant. Collin Khoo, zu dessen Hochzeit Rachel und Nicholas nach Singapur reisen, hat mehr Tiefe und seine ganz eigenen Probleme. Die tauchen im Film zum Beispiel gar nicht auf.
Einen klitzekleinen Kritikpunkt habe ich. Aber der ist eigentlich gar nicht an der Story selbst, sondern an der Anzahl der Charaktere. Ich komme einfach nicht mit! Wer ist wer?!
Nick meinte einmal: "Für Außenstehende ist sein Stammbaum schwer zu verstehen." Also wenn das mal nicht die Untertreibung des Jahrtausends ist!
.
Klappentext: Rachel ist überglücklich: Ihr Freund Nick möchte sie endlich seiner Familie in Singapur vorstellen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft in Asiens schillerndster Stadt wird Rachel klar, dass Nick aus der obersten Schicht der Superreichen stammt, einem geschlossenen Kreis, der unermessliche Reichtümer besitzt. Plötzlich sieht sie sich konfrontiert mit schrillen Verwandten, glamourösen Nebenbuhlerinnen und Privatjets mit ayurvedischen Yogastudios. Welchen Wert hat Liebe in dieser maßlosen Welt?
  • „Die Nickel Boys“ ist mein bisher einziges beendetes Buch im Mai (eine Woche hab ich ja noch, um die Zahl zu erhöhen 🤓), und leider fand ich es eher so lala.
Es geht um eine Besserungsanstalt und spielt so ca. in den 60ern (ich hoffe, ich vertue mich da gerade nicht komplett) und Rassentrennung ist noch ein ganz großes Thema. 
Der Protagonist ist eigentlich ein braver Schüler, ist sogar so weit, dass er während der Highschool schon Collegeseminare belegen kann. Dann kommt es, wie es so oft passiert: er ist zur falschen Zeit am falschen Ort und wird verurteilt. Im Nickel, der Besserungsanstalt, läuft das Leben ganz anders. Die Weißen und Schwarzen werden getrennt untergebracht, die Weißen kriegen „gute“ Anstaltskleidung, die Schwarzen alte und abgenutzte. Im Nickel muss man nicht unbedingt etwas anstellen, um bestraft zu werden. Das geschieht mit Willkür und wie ihr euch denken könnt, ist viel Gewalt im Spiel.
Die Begebenheiten beruhen teilweise auf wahren Geschichten von ehemaligen Insassen solcher Anstalten, was das ganze Buch noch erschreckender macht. Trotzdem hat es mich leider nicht so sehr gepackt. Es war heftig, ging mir aber nicht so nahe. Die Intensität des Textes hat mir irgendwie gefehlt. Eine ausführliche Rezension auf dem Blog kommt noch 😊
.
Welche Bücher habt ihr diesen Monat schon gelesen?
  • Eigentlich lese ich ja keine Manga. Aber von dem hier haben alle so geschwärmt und dann war die liebe @ninismangatraeume so nett, ihn mir zu schenken. Danke nochmal ♥️
Jedenfalls habe ich ihn gelesen (eigentlich sogar schon letztes Jahr) und endlich meine Rezension dazu verfasst. Ihr findet sie zusammen mit zwei anderen Rezensionen in meinem neuesten Blogbeitrag. Der Link ist wie immer im Profil 😊
Es ist nur eine Kurzrezension, aber ich versuche das hier mal noch kürzer zu fassen:
Ich mag den Zeichenstil und die Geschichte unheimlich gerne. Sie ist so entzückend und einzigartig. Aber mit Manga werde ich wohl einfach nicht mehr warm. Mir fehlen da die Gefühle, die dringen irgendwie einfach nicht so richtig zu mir durch, wie es bei einem normalen Buch der Fall wäre.
Deshalb kriegt der Manga ganz klar eine Empfehlung von mir, weil er so besonders ist. Aber als Buch hätte er mir wahrscheinlich besser gefallen 😂
.
Lest ihr Manga?
  • Diese beiden Bücher wollte ich eigentlich schon im April lesen. Bei „Was ich euch nicht erzählte“ hab ich das sogar geschafft 😊 Es hat mir ganz gut gefallen, auch wenn es ein bisschen gebraucht hat, um spannend zu werden, und mir „Kleine Feier überall“ besser gefallen hat.
„Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen“ habe ich angefangen, aber bisher bin ich noch nicht besonders weit.
.
Macht ihr euch Leselisten? Und haltet ihr euch immer daran, oder ändert ihr sie immer wieder?
  • Als ich mein Regal umgeräumt habe, hatten die Bücher von @ninablazon plötzlich ein eigenes Regalbrett 😂
Stehen bestimmte Bücher in euren Regalen auch so im Rampenlicht?
.
Am liebsten mag ich von ihr übrigens „Faunblut“, gefolgt von „Rabenherz und Eismund“, „Totenbraut“ und „Der Winter der schwarzen Rosen“.