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Rezension

AUF ERDEN SIND WIR KURZ GRANDIOS von Ocean Vuong

Triggerwarnung:

  • Tierquälerei (nicht nur einmal)
  • Homosexuellenfeindlichkeit (gegenüber dem Protagonisten)
  • Gewalt (physisch und psychisch)
  • toxische Beziehungen
  • Drogenmissbrauch

MEINE MEINUNG

Über dieses Buch eine Rezension zu schreiben, fällt mir unglaublich schwer. Sprachlich war es gewaltig – eine bessere Wortwahl finde ich nicht für diese poetisch anmutenden Sätze eines vietnamesischen Autors, der erst mit acht Jahren lesen gelernt hat – als erster seiner Familie.

DIESES BUCH IST NICHT ZU UNTERSCHÄTZEN

Inhaltlich hat mich „Auf Erden sind wir kurz grandios“ allerdings nicht sehr mitgerissen. Die Handlung ist heftig, ich habe die Triggerwarnungen nicht umsonst am Anfang dieser Rezension angebracht. Es geht um Gewalt, um Missbrauch, um toxische Beziehungen, aber vor allem geht es um viele Momente aus Ocean Vuongs Leben.

Vuong ist mit seiner Mutter nach Amerika gekommen, als er noch ganz klein war. Er war das Sprachrohr der Familie, obwohl er selbst Schwierigkeiten mit der Verständigung hatte. Sie haben viel gearbeitet, immer, besaßen aber kaum etwas.

All das spiegelt sich in diesem Roman wider. Wir erleben, wie Little Dog aufwächst. Wir spüren dieselbe Verantwortung, die er seiner Mutter, der immer wieder grundlos die Hand ausrutscht, und seiner schizophrenen Großmutter gegenüber spürt. Wir können seine Verunsicherung spüren, als er merkt, dass er auf Männer steht, und den Schmerz bei der Abweisung seines Freundes, der sich nicht mit seiner eigenen Homosexualität abfinden kann.

ERZÄHLSTIL

Hier werden so viele schmerzliche Themen angesprochen, die mir vor allem wegen diesem wunderschönen Schreibstil näher hätten gehen müssen. Leider haben mich die Geschehnisse nicht allzu sehr berührt. Da war vielmehr Verwirrung und das fast die gesamte Geschichte lang. Denn dieser Roman ist von Zeitsprüngen gespickt, die ohne große Ankündigung stattfinden. Mal sind wir bei dem jugendlichen Little Dog und seinem drogensüchtigen Freund, mal bei seiner noch jungen Großmutter, die vor dem Krieg flieht, und dann mal mit Little Dog auf einem Kindergeburtstag.

Diese vielen Sprünge haben mit Sicherheit ihren Sinn und tragen vermutlich enorm zur Spannung bei. Ich jedoch fand sie so verwirrend, dass ich nicht wirklich in die Geschehnisse eintauchen konnte. So habe ich mich eher wie ein ferner Zuschauer gefühlt und die Geschichte nicht wirklich erlebt.

TRIGGERWARNUNGEN

Falls du neugierig darauf sein solltest, was es mit den Triggerwarnungen auf sich hat, kannst du hier gerne auf die jeweilige Triggerwarnung klicken und nachlesen, was im Buch passiert. Aber sei gewarnt, ich meine die Warnungen ernst und sie könnten zudem spoilern.

Tierquälerei
Vuong beschreibt in diesem Buch eine Gruppe von Männern, die glauben, sich vor Alzheimer schützen zu können, in dem sie das Hirn eines noch lebendigen Affen essen. Dieser Vorgang wird ziemlich detailiert beschrieben und ist wirklich grausam. Man sagt, je mehr der Affe sich wehrt, desto wirksamer ist sein Hirn gegen Alzheimer. Wie du dir vorstellen kannst, wehren sie sich sehr.
Homosexuellenfeindlichkeit und toxische Beziehung
Hierbei handelt es sich sehr um einen Spoiler. Denn die Homosexuellenfeindlichkeit kommt nicht von Außenstehenden, sondern von dem Jungen, mit dem der Protagonist seine ersten Erfahrungen macht. Der kommt nämlich gar nicht damit klar, dass er sich zu einem Mann hingezogen fühlt und lässt das häufig am Protagonisten aus.
Psychische sowie physische Gewalt
Dieser Punkt schließt sich zum einen dem vorangegangenen an. Denn der Protagonist erfährt unter anderem Gewalt von dem Jungen, den er lange Zeit als besten Freund und mehr ansieht. Aber auch seiner Mutter, die womöglich die Schizophrenie der Großmutter geerbt hat, rutscht sehr, sehr oft die Hand aus.
Drogenmissbrauch
Der Protagonist dieses Romans arbeitet in seiner Jugend auf einer Marihuana-Farm. Aber auch abgesehen davon sind Drogen und der Konsum immer wieder Thema. Im Verlauf der Geschichte gibt es deswegen auch einige Todesfälle.

FAZIT

Die Konflikte waren da, sowie die richtigen Worte. Ocean Vuong hat eine Art zu schreiben, die wirklich einmalig und wunderschön ist. Mit seiner poetisch anmutenden Ausdrucksweise hätte er mich von seinem Roman überzeugen können. Aber die Emotionen haben gefehlt, ich konnte nicht wirklich in die Geschichte eintauchen, und dadurch war dieses Buch so viel weniger als ich mir erhofft hatte.


AUF ERDEN SIND WIR KURZ GRANDIOS von Ocean Vuong

Hanser | 2019 | 240 Seiten
erhältlich als HardcovereBook

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