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Rezension

DER PAKT von Michelle Richmond

„Der Pakt“ habe ich für mein Projekt Vier Thriller bis Mai gelesen, um wenigstens aus dem Stegreif etwas empfehlen zu können, wenn ich die Krimi-Abteilung übernehme. Mit „Der Pakt“ anzufangen, ging dabei leider nach hinten los, denn dieses Buch kann ich nicht unbedingt empfehlen.

 

MEINE MEINUNG

In „Der Pakt“ geht es um Jake und Alice. Ein Pärchen, das aus meiner Sicht noch nicht wirklich weiß, wer es ist – einzeln gesehen und vor allem auch zusammen. Deshalb kommt es auch dazu, dass sie heiraten. Denn Jake sieht das als einzige Möglichkeit, Alice nicht zu verlieren, und Alice hat womöglich einfach Angst vor dem Alleinsein. Die beiden haben auf den ersten Blick also nicht die besten Karten für ihre Ehe in der Hand, was auch der Grund dafür ist, dass der Pakt bei ihnen anfangs so gut anschlägt.

Der Pakt ist eine Vereinigung, die man aber viel eher als Sekte bezeichnen kann, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, für gute Ehen unter ihren Mitgliedern zu sorgen. Es gibt ein Handbuch und allerhand Regeln, die bei Verstoß auch mit Strafen versehen sind. Im ersten Moment wirkt das noch ganz amüsant, auch auf Alice und Jake, weshalb sie das Ganze überhaupt nicht ernst nehmen und eher als Spiel betrachten. Aber sie merken sehr, sehr schnell, dass diese ganzen Pakt-Auflagen kein Spaß sind.

 

Eines muss man Richmond lassen: Sie hat ihre Charaktere ganz wunderbar ausgemalt. Alice und Jake wirken vor allem durch ihre Macken so greifbar. Alice, frühere Musikerin jetzt Anwältin, ist ein richtiges Arbeitstier, das gerne mal alles andere vergisst, wenn es um ihre Fälle und Klienten geht. Obwohl sie wie eine erfolgreiche Frau wirkt, hat sie auch mit Unsicherheiten zu kämpfen. Unsicherheiten mit sich selbst und in ihrer Beziehung zu Jake – Eifersucht ist da auch kein kleines Thema. Jake liebt Alice abgöttisch. Manchmal wirkt das nicht unbedingt gesund, aber es ist auch keine krankhafte Liebe. Mal beschreibt er sie als würde sie auf einem Podest stehen, mal merkt auch er ihre Unsicherheiten und ihre Macken, wie zum Beispiel ihre Schuhe überall im Haus verteilt liegen zu lassen. Jake wirkt eher wie ein selbstsicherer Mann, der sich wenig Sorgen um sich selbst oder seine Außenwelt macht – seine einzige Sorge gilt Alice oder der Tatsache, dass er sie verlieren könnte.

Die Charaktere sind so toll, so real gezeichnet, dass ihre Beweggründe fast immer irgendwie logisch erscheinen – zumindest von deren Standpunkt aus. Wieso hat mir „Der Pakt“ also nicht gefallen, wenn die Grundvoraussetzungen schon einmal gepasst haben? Ich habe dafür genau drei Gründe:

 

ALLER ANFANG IST SCHWER …

… und so ist es auch bei „Der Pakt“. Während der Prolog noch einen ziemlich spannenden Abriss der Handlung zu einem späteren Zeitpunkt bietet, vergehen die Seiten danach eher schleppend. Die Protagonisten werden vorgestellt: Alice und Jake. Ein junges Paar, das heiraten wird und eigentlich sehr unterschiedlich ist. Wie bereits erwähnt, finde ich ihre Darstellung großartig. Sie werden so gut durchleuchtet, dass sie greifbar erscheinen, man meinen könnte, sie würden wirklich so existieren.

Wir erfahren auf den ersten paar hundert Seiten einiges über Alice‘ und Jakes Arbeit. Jake, der neuerdings auch auf Patienten mit Eheproblemen spezialisiert ist, ist die Stimme des Romans. Deshalb begleiten wir ihn zu vielen Sitzungen, die irgendwie schon ganz interessant sind, aber nicht unbedingt zur Handlung beitragen. Die Geschichte würde auch gut ohne sie auskommen, ebenso ohne die Fakten und Anekdoten über Ehen auf aller Welt, die er zwischendrin einstreut. Als Kontrast zu den Machenschaften des Paktes sind diese Informationen ebenfalls interessant, aber … auch das trägt nicht zur Spannung bei.

Es dauert ewig, bis die Handlung in Schwung kommt und als es endlich losgeht, geht es irgendwie auch nicht so richtig los. Es beginnt mit leichten Verstößen gegen das Pakt-Handbuch: Mitglieder sehen Alice‘ Arbeitspensum kritisch, weshalb sie ein Armband umgeschnallt bekommt, das ihre Aktivitäten aufzeichnet. Das Ehepaar weiß nicht, ob es sich dabei nur um Ortung handelt oder auch Abhörung – ein ziemlich erschreckender Gedanke. Aber Alice findet das nicht so schlimm und überzeugt auch Jake davon, sich nicht so viele Gedanken zu machen. Sie hält sich an die Auflagen, arbeitet weniger, kommt früher nachhause. Im ersten Moment wirkt das auf den Leser womöglich erschreckend, immerhin lässt sie sich einfach so kontrollieren, ohne etwas dagegen zu tun. Und Jake gibt seine Einwände einfach auf. Aber wenn man sich diese Charaktere ansieht, sind diese Handlungen doch nachvollziehbar.

 

ABBRECHEN ODER DOCH NICHT …?

Ich habe wirklich mit dem Gedanken gespielt, das Buch abzubrechen. Weil mir die Spannung, der Pepp gefehlt hat. Das hat sich dann doch noch geändert. Alice und Jake geraten immer mehr in den Fokus der Paktmitglieder, immer wieder finden sie Dinge, die es an dem Ehepaar und deren Ehe auszusetzen gibt. Hinzu kommt eine alte Freundin von Jake, die ebenfalls dem Pakt angehört und immer wieder kryptische Warnungen ausspricht. Jake hinterfragt das ganze allmählich, will Alice beschützen. Doch der Pakt macht ganz deutlich, dass ein Austritt nicht möglich ist – zumindest nicht ohne die Karrieren und Leben der beiden zu gefährden.

Die Strafen nehmen an Härte zu. Es wird teilweise etwas abartig, aber auf jeden Fall sprechen wir hier von harter Folter. Und doch hat mich das Buch nicht richtig gepackt. Von einem Thriller erhoffe ich mir, dass er mich ergreift, mitreißt, mich nervlich aufreibt. Aber das hat „Der Pakt“ nicht geschafft. Es hat mich nervlich nicht mitgenommen, ich habe nicht mitgefiebert.

Zum Teil könnte es an den Widersprüchen liegen, die es hier und da gab. Zum Beispiel, dass niemand vom Pakt wissen darf, es aber „Mitarbeiter“ in der Folterkammer gibt, die nicht dem Pakt angehören. Ganz sicher lag es aber an dem roten Faden, der mir hier und da gefehlt hat. Einige Handlungsweisen von Nebencharakteren sind nicht einleuchtend, selbst zum Schluss kann ich diese nicht wirklich nachvollziehen. Dabei beruht das gesamte Buch auf deren Handlungsweisen. Ihr Ziel habe ich aber einfach nicht begriffen.

 

FRIEDE, FREUDE, EIERKUCHEN

Genau so ist das Ende: Friede, Freude, Eierkuchen. Und ich hoffe, dass ich dich damit nicht zu sehr spoilere. Aber das Ende steht meiner Meinung nach in keiner Relation zur Handlung. Es geht um Intrigen, Folter, um eine Sekte, aus der man angeblich nicht lebend rauskommt. Und dann ist das Ende so einfach … so schnell vorbei. Da hat mir so viel gefehlt!

Der letzte Teil des Buches wurde mit einem schweren Vorwurf eingeläutet, der vermutlich eine harte Strafe nach sich ziehen würde. Jake und Alice haben Angst, große Angst. Das ist vielleicht der eine Moment, bei dem mein Herz schneller geklopft hat. Aber es war dann so wirr, die Lösung so einfach und … unglaubwürdig. Das Ende konnte mich einfach nicht überzeugen, es ist lachhaft, und mehr schreibe ich nicht, weil ich nicht zu sehr spoilern möchte.

 

FAZIT

Von „Der Pakt“ hatte ich mir so viel erhofft, aber es hat mich enttäuscht zurückgelassen. Die Charaktere können zwar durchaus von sich überzeugen, die Handlung jedoch überhaupt nicht. Es fehlt an Spannung, an zielgerichteten Handlungsstängen. Eigentlich fehlt es an so ziemlich allem, was ein gutes Buch ausmacht. Ich habe dieses Buch gelesen, um es in der Arbeit Kunden empfehlen zu können. Leider würde ich es eher gar niemandem empfehlen.

 

 

 

DER PAKT von Michelle Richmond

Diana | 2019 | 560 Seiten

erhältlich als Paperback | eBook

 

 

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2 COMMENTS
  • Zeilentänzerin
    9 Monaten %1$s %2$s vor %3$s (%4$s)

    Schade, dass es dich so enttäuscht hat. Ich bin gerade in den letzten Zügen =)

    Zeilentänzerin

    • Kate
      9 Monaten %1$s %2$s vor %3$s (%4$s)
      Autor

      Oh, und wie gefällt es dir? Ich hoffe, besser als mir 🙂

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  • Wie sehr ich diese Reihe geliebt habe! 😍
„Die 5. Welle“ hat so ziemlich alles! Spannung, Action, Liebe, Emotionen und Aliens. Rick Yancey hat hier eine Reihe geschaffen, die ich so, so gerne nochmal zum allerersten Mal lesen würde. 
Welches Buch würdet ihr gerne nochmal zum allerersten Mal lesen?
  • Heute ist Winnie Pu Tag! ♥️♥️
Wie sehr ich diesen kleinen Bär doch liebe 😍 Als Kind hatte ich alle Kassetten von ihm, an Fasching bin ich mal als I-Aah gegangen, vorletztes Weihnachten habe ich ein I-Aah-Stofftier und letztes eine -Funko bekommen.
Ich hatte sogar mal ein Videospiel, wo man gegen ein Heffalump antreten musste.
Ich glaube man merkt: ich war und bin ein riesiger Fan 😂
Was aus eurer Kindheit kann euch heute noch begeistern?
  • Fürs neue Jahr hab ich mir vorgenommen, mein Bullet Journal regelmäßiger zu nutzen. Und beim Gestalten des Januars habe ich festgestellt, dass ich es tatsächlich mehr nutze, wenn die Seiten ein bisschen hübsch gemacht sind. Deshalb will ich das jetzt wieder tun, ganz schlicht mit Musterpapier 😊
Wie gestaltet ihr euer Bullet Journal am Liebsten?
  • Anzeige. Ich versuche mich gerade ans tägliche Schreiben zu gewöhnen. Kurze Geschichten helfen mir da tatsächlich viel mehr als mein aktuelles Romanprojekt. Deshalb ist „Leben, schreiben, Atmen“ fester Bestandteil meiner Morgenroutine geworden (wenn ich nicht verschlafe 😅). Wenn du mehr über das Buch und wie ich es nutze erfahren willst, schau auf meinem Blog vorbei 😊 Da geht nämlich heute die Rezension zu diesem Buch online 😊
Schreibt ihr täglich über Erinnerungen oder Tagebuch? Oder macht eine andere Reflexion, um den Tag ausklingen oder gut starten zu lassen?
  • Der Alltag hat mich wieder und ich lese hauptsächlich nur noch in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit uns nachhause. Viel kommt da natürlich nicht zusammen.
Dafür hab ich eine neue Serie für mich entdeckt und genieße seit Ewigkeiten mal wieder das bingewatchen. 
Was habt ihr die letzten Tage so getrieben?
  • „Cat Person“ war für mich das beste Buch im Jahr 2019. Kristen Roupenian konnte mich mit ihrem Stil so überraschen und beeindrucken. Jede einzelne Kurzgeschichte hat etwas in mir ausgelöst und ich will unbedingt mehr von dieser grandiosen Autorin lesen!
Was war euer Lieblingsbuch in 2019?
  • Die Sache mit den Vorsätzen ... kennt ihr doch alle oder? 😅
Ich hab dieses Jahr sehr mit mir gehadert, ob ich mir dieses Jahr überhaupt welche vornehmen soll. Letztendlich hab ich es aber doch wieder getan. Meine Vorsätze betreffen dieses Jahr das Lesen, Schreiben, Bloggen und wie immer den Sport. Genaueres gibt es auf meinem Blog nachzulesen 😊
Welche Vorsätze habt ihr euch genommen?
  • Das waren meine ersten beiden Neuzugänge des Jahres 😍 Beides Mängelexemplare und damit richtige Schnäppchen 😊
Sind bei euch schon Bücher eingezogen?