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Rezension

Warum mich SOMEONE NEW von Laura Kneidl nicht begeistern konnte

Anzeige. Diese Rezension zu schreiben, ist mir sehr schwer gefallen. Wer mir auf Goodreads folgt, weiß, dass ich anfangs so ein paar Schwierigkeiten mit „Someone New“ hatte. Dabei hat mir die Geschichte um Sage & Luca in „Berühre mich. Nicht.“ und „Verliere mich. Nicht.“ damals gut gefallen und mitgerissen. Ich hatte erwartet, dass es mir mit Micah & Julian auch so gehen würde – war aber leider nicht so. Und die Kritik, die dann noch folgt, ist … schwierig.

 

KLAPPENTEXT

Ich mache mir ständig Gedanken darum, was andere Menschen von mir denken. Wen sie in mir sehen. Aber nicht bei dir. Bei dir kann ich ganz ich selbst sein.
Als Micah auf ihren neuen Nachbarn trifft, kann sie es nicht glauben: Es ist ausgerechnet Julian, der wenige Wochen zuvor ihretwegen seinen Job verloren hat. Micah fühlt sich schrecklich, vor allem, weil Julian kühl und abweisend zu ihr ist und ihr nicht mal die Gelegenheit gibt, sich zu entschuldigen. Doch gleichzeitig fasziniert Micah seine undurchdringliche Art, und sie will ihn unbedingt näher kennenlernen. Dabei findet sie heraus, dass Julian nicht nur sie, sondern alle Menschen auf Abstand hält. Denn er hat ein Geheimnis, das die Art, wie sie ihn sieht, für immer verändern könnte …
Quelle: LYX

 

 

MEINE MEINUNG

EIN EINSTIEG, DER BESSER HÄTTE SEIN KÖNNEN

Obwohl mich das erste Kapitel total begeistert hat, fiel mir der Einstieg dann doch irgendwie schwer. Dass Micah aus gutem Hause kommt und mit Reichtum aufgewachsen ist, fand ich mal erfrischend, weil sonst meistens die Bad Boys aus den reichen Familien stammen. Dass sie zudem eine Schwäche für Comics und Graphic Novels hat, ist eine interessante Kombi.

Doch genau das stellte sich im nächsten Moment als nervig heraus. Denn Micahs Bruder, Adrian, ist homosexuell und wurde von ihren Eltern rausgeschmissen. Nun studiert Micah Jura, damit ihre Eltern zufrieden sind und einen Erben für ihre Kanzlei haben, sodass Adrian in die Familie zurückkehren kann und tun kann, was er möchte, denn für die Kanzlei ist ja gesorgt. Das ist nicht nur irrsinnig, weil Micah Jura absolut langweilig findet, sondern auch, weil vermutlich keiner damit rechnet, dass die Eltern auf diese Weise umdenken werden. Micahs Plan wird ständig wiederholt. Jedes Mal, wenn sie zu ihren Eltern zum Essen kommt, denkt sie, wie wenig Lust sie darauf hat. Aber sie tut es für Adrian. Bei der nächsten Veranstaltung der Eltern das Spiel noch einmal von vorne: Sie hat darauf überhaupt keine Lust, aber sie tut es für Adrian – und jetzt stell dir das in einem kilometerlangen Absatz vor. Nebenbei wird dann noch drei bis fünf mal alle paar Kapitel erwähnt, dass Adrian immer noch nicht auf Micahs Nachrichten reagiert und sie nicht einmal weiß, ob er sie überhaupt bekommt.

Ich habe ja erwähnt, dass Micah Comics liebt. Das wird nicht nur hier und da eingestreut, sondern ständig erwähnt. Es wird in jedem Kapitel mindestens ein Fandom angesprochen. Das erinnert mich stark an meine Fanfiction-Zeit, in der es total in war, aktuelle Serien, Filme oder Bücher zu erwähnen. So blöd es klingt, aber … da bin ich rausgewachsen. Das ist einfach nicht mehr meins und nach dem 10. genannten Fandom konnte ich leider nur noch die Augen verdrehen. Es wirkte fast so als würde Kneidl zeigen wollen, wie gut sie sich auskennt.

 

DIE CHARAKTERE

Die Charaktere sind auch so eine Sache für sich. Während Micah anfangs noch ganz cool wirkt, war ich irgendwann leider doch genervt von ihr. Hängt vermutlich mit der Kritik oben zusammen, aber auch so fand ich einige Handlungsweisen widersprüchlich und sie auch recht aufdringlich, was Julian betrifft. Bei Micah hat mir die Tiefe gefehlt, viel mehr als mit Freundinnen Essen gehen und Graphic Novels zeichnen habe ich in ihr nicht sehen können.

Insgesamt hätten die Protagonisten mehr Tiefe vertragen können. Während Micah und Julian das gewisse Etwas fehlen, konnten Cassie und Auri, Julians Mitbewohner, von sich überzeugen. Und ich überlege sehr, ob ich „Someone Else“ in dem es um die beiden gehen soll, lesen werde. Denn mit den beiden habe ich wirklich mitgefühlt. Aber bei so vielen vorkommenden Charakteren ist es vermutlich auch schwierig, jedem die nötige Tiefe zu geben.

Und dann wäre da noch Aaron: Der Bruder, der aufgrund seiner Homosexualität von den Eltern rausgeschmissen wurde. Das ist hart, aber davon kriegen wir als Leser eigentlich nichts mit. Er ist nur Auslöser, lediglich ein Statist und wir erfahren nie so wirklich, was in ihm vorgeht, was er nach dem Rauswurf gemacht hat, ob er verzweifelt war. Als er dann schließlich auftaucht, versucht er sich zu erklären, aber eher entschuldigend bei Micah. Und sie fragt nicht wirklich nach, nur nach Adrians Freund, nicht nach seinen Gefühlen.

 

FAZIT

Der Anfang des Buches besticht vor allem durch unnötige Wiederholungen über Micahs Situation und zieht sich dadurch sehr. Ab der Hälfte kommt dann doch Schwung auf. Die angesprochene Thematik in diesem Buch ist wichtig, aber da fehlte noch was. Was genau, folgt nun im Spoiler-Teil.

Alles in allem ist „Someone New“ ein New Adult-Roman mit klassischen Motiven, die dieses Genre ausmachen und weswegen es viele lieben. Aber das Buch bietet auch so einige Überraschungen und vor allem Neues, eine Abwechslung – ob diese gut umgesetzt sind, können vermutlich nur Betroffene beurteilen.

 

 

 

SOMEONE NEW von Laura Kneidl

LYX | 2019 | 534 Seiten

erhältlich als Paperback | eBook | Hörbuch

 

 

KRITIK, DIE SPOILER ENTHÄLT

EIN SCHRITT IN DIE RICHTIGE RICHTUNG, ABER …

In diesem Buch geht es um Transgender, was ich gut finde – wichtig sogar. Denn gerade im New Adult-Genre finden wir noch ganz oft diese alte Rollenverteilung einer abhängigen Frau und des dominanten Mannes, eine toxische Liebe. Dass es ein trans Charakter in einen New Adult-Roman geschafft hat, ist ein unglaublich wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber so ganz geglückt ist das hier nicht. Ich selbst bin nicht Betroffene, ich bin hetero, weiß … ich kenne mich mit diesen ganzen Begriffen der Queerness überhaupt nicht aus. Aber Kat hat eine Rezension geschrieben, in der sie mir aus der Seele spricht. Ich versuche jetzt ihre Worte aufzugreifen und mit meinen Gedanken zu verbinden:

 

FEHLENDE EMPATHIE

Was ich am Umgang mit Adrian nicht gerade gut gelöst fand, habe ich schon genannt. Nun kommen wir aber zu Julian, denn er ist einer der Protagonisten und ein trans Mann. Das Problem dabei ist aber, dass er zwar im Fokus steht, wir seine Gefühle und Gedanken aber gar nicht richtig mitverfolgen können, denn „Someone New“ ist aus der Ich-Perspektive von Micah erzählt. Und Micah geht meiner Meinung nach nicht wirklich gut mit Julian und seinem Outing um.

Zum einen ist sie ständig sauer auf ihn, weil er Geheimnisse vor ihr hat. Dabei kennen sie sich bis dato gerade mal ein paar Wochen und sind nur Nachbarn mit einer Tendenz zu Freundschaft. Julians Leben geht sie auf diese Weise schlichtweg nichts an. Als es dann intimer wird und das Geheimnis immer noch zwischen ihnen steht, ist so eine Reaktion eventuell halbwegs nachvollziehbar. Aber kommen wir zu Julians Outing selbst.

 

DER UMGANG MIT TRANSGENDER

Denn als Micah erfährt, dass Julian als Mädchen geboren wurde, nimmt sie es einfach so hin. Es gibt kein Nachdenken darüber, kein darüber reden. Ich kann nicht beurteilen, ob das für trans Menschen eine Reaktion wäre, die sie sich wünschen würden. Als Nichtbetroffene kann ich das in der Hinsicht nicht beurteilen, aber ich kann beurteilen, ob ich diese Reaktion realistisch finde und das ist definitiv nicht so. Denn auch Micah ist Nichtbetroffene und kam bis dato mit dem Thema Transgender nicht in Berührung. Da müssten ihr viel mehr Fragen durch den Kopf schwirren, sie müsste das erst einmal sacken lassen.

Leider erfahren wir nicht wirklich intensiv, wie es für Julian ist bzw. wie sein Weg war, bis er Julian geworden ist. Dieses Buch handelt von einem trans Mann und wir erfahren kaum, wie es für diesen trans Mann ist. Wir sehen alles nur aus Micahs Augen und sehen, wie Julian von seiner Mutter beschimpft wird, wie er Selbstzweifel hat, Angst, sein wahres Ich zu zeigen. Und dafür zeigt Micah wenig Verständnis, denn Julian ist ja von 0 auf 100 ihre große Liebe. Dabei steckt bei Julian natürlich viel mehr dahinter, nur erfahren wir davon als Leser nichts.

Durch das Nachwort wird klar, dass sich Kneidl intensiv mit dem Thema beschäftigt und auch recherchiert hat. Sie hat trans Männer befragt, um Julian so real wie möglich darstellen zu können. Da wurde also schon Vorarbeit geleistet und ob „Someone New“ trans Männer gut repräsentiert, können nur trans Männer selbst sagen. Die Frage, die zum Schluss bleibt, ist die eine: Für wen ist das Buch? Auch für Betroffene?

 

Und noch eine klitzekleine Anmerkung zum Schluss: Als Micah und Julian zum ersten Mal Sex haben, tun sie das ungeschützt. Sie klären es lediglich mit der Frage „Bist du safe?“ ab. Bitte mach das nicht! Du musst IMMER verhüten, auch wenn dein Partner oder deine Partnerin sagt, dass er oder sie safe ist. Denn so unglaublich es klingt: Auf dieser Welt gibt es Lügner, vor allem in Dingen Sex. Und nur weil es sich wie die große Liebe anfühlt, sollte man seine Gesundheit nicht in die Hände anderer legen.

 

Hierbei handelt es sich um ein Rezensionsexemplar.

 

Meinungen anderer Leser

I am Jane | Live your Life with Books | Katies Bücherwelt

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